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Anleitung zum Glücklichsein: Episode 5
 
 Ein tiefgründiger Palast : Weil Glück mehr ist, als oberflächlicher Mainstream
 
 
Über den Tisch wurden einige flüchtige Blicke getauscht und im Saal herrschte jetzt ein solch peinliches Schweigen, wie es öfters vorkommt, wenn keiner mehr weiß womit die Disskusion noch gerettet werden könnte.  „Ähm...“ improvisierte die Gestalt, deren Brust von der fetten Goldkette bedeckt war: „Agent K. im Namen des BVGs bedanke ich mich herzlich für diese außergewöhnliche Leistung, die Sie in den letzten zwei Jahren erbracht haben. Wenn Sie bitte den Raum für einen kurzen Augenblick verlassen würden. Es sollte sich jetzt die silberne Sektion versammeln, um über die Fortsetzung des WiS-Projekts zu beraten. Sie auch, Agent S“. Mit einem Mischgefühl von Ärger und Erleichterung verließ Kenai den Raum, von dem mysteriösen anderen Mitglied der roten Sektion gefolgt. Hinter sich hörte sie die Tür ins Schloss fallen, drehte sich aber nicht um. Natürlich wäre es die Gelegenheit gewesen, den anderen mal kennen zu lernen und dadurch alle anstehenden Fragen zu beantworten, aber darauf hatte sie gerade einfach keinen Bock und lief weiter in den von einem hellen Neonlicht beleuchteten Gang.

Es war schwierig, dachte sie, sich vorzustellen dass da oben zahlreiche Kräne und Bagger am Abbauen des Palastes der Republik waren. Zum Glück würden die unteren Etagen erhalten bleiben. Ein lustiger Gedanke ging ihr durch den Kopf: wenn die ganzen Politiker wüssten, dass obwohl sie den Palast abbauten, er doch für immer und ewig auf diesem Platz „tief angewurzelt“ bleiben würde... Und noch dazu, dass das stärkste Symbol des alten deutschen Reiches, das Stadtschloss, auf den sozialistischsten Untergrund Berlins wieder aufgebaut werden sollte, war wohl der beste Witz des Jahrzehntes, fand sie. Kenai mochte Berlin sehr; den Berliner Untergrund mochte sie aber noch mehr. Sie war ein paradoxes Stadtkind: empfand eine richtige Leidenschaft für die Stadt, war aber sehr ungern bereit, sie mit ihren Mitmenschen zu teilen. Gerade deshalb fand sie diese Untergrundstadt faszinierend, denn es waren nur wenige, die über ihre Existenz Bescheid wussten und Zugang zu diesem ganzen Netz hatten. In ihren wenigen Freizeitmomenten zog sie gerne unter der Oberfläche los, um neue Ecken zu entdecken. Es war wie ein Museum, das die Geschichte Berlins noch besser widerspiegelte als der Oberflächige-„Mainstream“- Teil der Stadt. Kenais unterirdisches Hauptquartier waren aber nach wie vor die sechs Untergeschosse (unter deren vier immer geheim geblieben waren)des bald verstorbenen Palastes der Republik. Die Mitglieder des BVGs hatten die zwei letzten komplett saniert und dafür ausgerüstet, dass kein Eindringling je den Weg zum deutschen BVG Hauptquartier finden würde. Trotzdem sah alles so wie damals in der DDR aus, was Kenai, auch wenn diese Geschichte nicht die ihre war, jedes Mal wie einen Sprung in die Vergangenheit empfand. Die nachdenkliche Pause, die Kenai sich gegönnt hatte, tat ihr gut. Innerlich hatte sie wieder eine gewisse Ruhe gefunden und war gerade so entspannt, dass sie das Geschehen der letzten Stunde jetzt relativieren konnte. Es ist doch alles halb so wild, dachte sie bei sich und wenn der Neue es richtig gut drauf hat, ist es schließlich auch gut für den Bund. Plötzlich spürte sie hinter sich eine Präsenz. Aus reinem Selbstverteidigungsreflex drehte sie sich rasch um. Falscher Alarm: die stehende Gestalt mit silberem Gürtel machte ihr mit dem Kopf ein Zeichen, wieder in den Versammlungssaal zu gehen und verschwand in die Dunkelheit, aus der er wie aus dem Nichts gekommen war.

8.1.07 07:54
 


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