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Anleitung zum Glücklichsein: Episode 3

 

Wie Menschenglück zum höchsten Gut für einen Misanthrop wurde

 

Eigentlich gehörte sie zur französischen Sektion der Bewegung, hatte deshalb auch mehr Erfahrung, die sie der deutschen Sektion zunutze machen sollte, um die Bewegung auch hier in Gang zu bringen.

Als frischgebackene Abiturientin hatte Kenai sich vor vier Jahren auf ihren verheißungsvollen Studienanfang als Medizinstudentin sehr gefreut, bis sie etwas zwei Monate später als wahre Nachfolgerin Arthur Schopenhauers einstimmig zur Präsidentin des Studentischen Vereins „Misanthropikum“[1] gewählt wurde. Ihre Karriere als PR-Beauftragte des Misanthropikums endete vor dem Straßburger Gericht fast so schnell wie sie angefangen hatte. Die Ursachen der Lebensmittelvergiftung, die die gesamten Gäste der Medizinermensa flach gelegt hatten, waren schnell festgestellt worden, nachdem Spuren von Ingwerultrakonzentrat auf Kenais Handschuhen gefunden worden waren.

Bei ihrem ersten Treffen mit dem für ihren Fall zuständigen Richter, erzählte sie ihm als Erklärung für ihre Straftat von ihren vielen negativen Erfahrungen mit ihren Mitmenschen an der Fakultät. Ihre Mitgliedschaft bei dem Verein sah sie als Zeichen des nötigen Widerstands. Insgeheim, auch wenn er es aufgrund seiner beruflichen Stellung nicht zeigen durfte, wurde der Richter von dieser kindlichen jungen Frau sehr positiv beeinflusst. Um ihr Ziel zu erreichen war sie zu allem bereit. Es war nur schade, dachte er bei sich, dass diese junge Frau auf die schiefe Bahn geraten war und ihr wertvolles Engagement nun so sinnlos vergeudet wurde.

Vorbestraft wurde sie nicht, stattdessen jedoch verpflichtet, acht Monate lang am Wochenende die Nachtschicht der Station für selbstmordgefährdete Patienten zu übernehmen.

Eines Morgens, als der Richter sein Büro betrat, saß bereits jemand da. Ihm gegenüber sah er eine um das Wohlgefühl ihrer Mitmenschen sehr besorgte junge Frau. Es war Kenai. Von Menschenfeindlichkeit war keine Spur mehr zu sehen und außerdem sah sie entschlossener denn je aus, nach ihrem neuen Ziel zu streben. Innerlich strahlte der Richter, der genau wusste, wie glänzend sie gerade unbewusst die Aufnahmeprüfung ins BVG bestanden hatte.

 

Innerhalb ihrer kurzen Zeit in der Organisation hatte Kenai ein allgemeingültiges Modell für die Verbreitung des Glückslichseins erfunden und es gleich auf Elsass-Lothringen angewendet. Gemäß ihrer Theorie war der entscheidende Punkt, den geeignetsten Vermittlungsweg für eine bestimmte geographische Zone zu finden, der eine möglichst schnelle und gleichmäßige Verbreitung des Glücks garantieren würde. Dazu mussten die jeweiligen sozialen und kommunikativen Netzwerke einer Region effektiv genutzt werden, um das Glück zu den Menschen zu bringen. Außerdem mussten genügend Multiplikatoren gefunden und überzeugt werden, die dann in diesem Prozess als aktive Glückübertragungszellen fungierten.

Im Elsass-Lothringen kam Kenai sofort auf die passende Idee: als Vermittlungsweg sollten die zahlreichen Dorfblasorchester genutzt werden und die Multiplikatoren waren ihrer Meinung nach ganz klar unter den Blechbläsern zu suchen.


 Die Existenz dieses Modells zu kennen hieß aber längst nicht, immer den passenden Kanal finden zu können. Kenai besaß dafür eine Art „Sechsten Sinn“. Obwohl für jedes Land und sogar für jede Region, je nachdem welche Besonderheiten vorhanden waren, ein spezifischer Vermittlungsweg gefunden werden musste, ahnte sie meistens sofort welcher das war. Nur für Berlin war ein entsprechender Weg immer noch nicht entdeckt worden, so dass Kenai die allerletzte Hoffung des BVGs für Berlin war.
 

[1] (von griech.:μισείν 'misein' = hassen; άνθρωπος 'anthropos' = Mensch)

15.12.06 18:19
 


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