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Anleitung zum Glücklichsein: Episode 1


Kenais geheimnisvoller Abstieg in den Berliner Untergrund


 „Immer dasselbe“, dachte Kenai, leicht verärgert. „Wenn man unbedingt pünktlich irgendwo da sein soll, kommt immer etwas dazwischen“. Erst der Oberchef, der erst am nächsten Tag hätte kommen müssen und plötzlich im Büro mit tausenden neuen Aufträgen stand, dann der Kollege, der aus verdächtigen Gründen krank machte und ihr die ganze Arbeit überließ. Und ausgerechnet als sie dann völlig verpeilt endlich aus dem Büro kam, regnete es in Strömen. 
Auf diesen Tag hatte Kenai schon  lange gewartet, dachte sie, als sie versuchte, so schnell es ging mit ihrem geliebten Fahrrad den zahlreichen Fußgänger auf dem Bürgersteig Unter den Linden aus dem Weg zu gehen. Vor allen Dingen war sie gespannt darauf, wie sich das Projekt weiter entwickeln würde. Kenai war in ihren Gedanken so vertieft, dass sie von den vielen bösen Blicken, die sie sich  bei ihrer Fahrrad Rodeoaktion von angepissten Fußgängern zuzog kaum etwas merkte. Ein letztes Mal über die rote Ampel, an der Marienkirche vorbei und schon war sie da, versteckte das Rad hinter der S-Bahn Brücke und eilte die Treppe runter zum U-Bahnhof. Mit großen Schritten lief sie durch den Gang und direkt hinter dem Kiosk nach rechts. Da war er immer noch. Der Photoautomat. Es ist erstaunlich, wie einem die Dinge in Erinnerung bleiben, dachte sie, als sie sich reinsetzte und automatisch den Vorhang hinter sich zuzog,  ganz so, als hätte sie dies alles gestern das letzte Mal getan.

Vor knapp zwei Jahren war Kenai dem geheimen Bund beigetreten und hatte diesen Auftrag bekommen. Seitdem erledigte sie insgeheim als „schlafende“ Agentin ihre langfristige Aufgabe. Erst am vorherigen Tag kam die Benachrichtigung. Endlich war es jetzt soweit, dass sie vor dem Ältestenrat nach zweijähriger Forschung über ihren Geheimauftrag berichten durfte. In diesem Augenblick, als sie versuchte, ohne zu zwinkern auf den Bildschirm zu starren, war sie sich immer unsicherer: „Ob solche Geschichten nicht nur in Kinderbücher vorkamen? Ob sie sich nicht doch alles eingebildet hatte?“. Der blinkende Bildschirm erlöste sie von der wachsenden Unsicherheit. Der Pupillenerkennungstest war gelungen und noch bevor sich das beruhigende Gefühl der Erleichterung ganz ausbreiten konnte, glitt die Wand nach hinten, wie von einer inneren Kraft verschluckt, drehte sich in einem dumpfen Geräusch um 90 Grad zur Seite und ließ einen Durchgang zu einer düsteren Treppe erscheinen. Bevor sie durch die Passage ging, warf sie noch schnell einen Blick in den Spiegel. “Hoffnungslos“, dachte sie, als sie noch versuchte, ihr vom Regen durchnässtes und wuschiges Haar einigermaßen in Ordnung zu bringen. Ein Blick auf die Uhr unterbrach ihren unerfolgreichen Verschönerungsversuch: „schon 15 Minuten verspätet, und das noch am Tag des großen Auftritts, Toll!“ dachte sie sich. Kenai huschte durch das Loch und versank in die unterirdische Finsternis. Der Tunnel war immer noch wie in ihren Erinnerungen: schmal, grottisch, und je tiefer unter der Oberfläche man war, desto heftiger tropfte das Wasser von der Decke herab. Der Höhepunkt dieser bedrückenden Luftfeuchtigkeit war ganz klar der letzte Abschnitt, wo der Tunnel den Druck der drüberfließenden Spree aushalten musste. Aber so unangenehm es war, wusste sie auch zu diesem Zeitpunkt, dass sie fast angekommen war. Tatsächlich konnte Kenai jetzt in unmittelbarer Nähe das schwache Strahlen einer Glühbirne erkennen. Die schwere Panzertür am Ende des  Gangs öffnete sich vor ihr in einem leichten Quietschen und verschloß sich direkt wieder hinter Kenai, nachdem sie den hellen Vorraum betreten hatte. Auf dem einzigen Möbelstück des kleinen viereckigen Raumes, einer Bank, lagen nebeneinander zwei schwarze Kapuzengewänder mit knallrotem Gürtel. Rasch zog sie ihre feuchten Kleider aus, schlüpfte ins Gewand, setzte die tiefe Kapuze auf, band einen festen Doppelachterknoten um ihre Hüfte herum mit dem Gürtel und ohne sich weitere Gedanken zu machen, ging sie mit entschlossenen Schritten zur nächsten Tür und öffnete sie...

12.12.06 00:10
 


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